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Malerei mit Demenzkranken

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Von 2005 bis Jan. 2013 war ich als Krankenschwester im Haus Waldfrieden, einer Schwerpunkteinrichtung für Demenzkranke, beschäftigt.
Dort hatte ich die Möglichkeit auch künstlerisch mit den Demenzkranken Bewohnern zu arbeiten. Da sie mich aus meiner pflegerischen Tätigkeit kannten, hatten wir eine vertraute Basis.
Vertrauen ist bei Demenzkranken für den „Zugang zu ihnen“ besonders im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung von großer Bedeutung.
Ich habe alle Erfahrungen, die ich in der künstlerischen Begegnungen mit unseren Bewohnern/innen gemacht habe, für mich persönlich dokumentiert, um für mich selbst, die Veränderungen bei jeder neuen künstlerischen Aktion zu erfassen, um auf Veränderungen ggf. besser reagieren zu können. Demenzkranke Menschen sind sehr sensibel und spüren Veränderungen/Verschlechterungen in ihrem Tun sofort. Das irritiert sie und schafft noch mehr Verunsicherung.

Mein Erfahrungsbericht aus der Zeit im Waldfrieden, einer Schwerpunkteinrichtung für Demenzkranke
( 2007-2012)

Das „Haus Waldfrieden“ hat einen sehr schönen Garten und wenn die Jahreszeit und das Wetter es zuließ, gingen wir zum malen nach draußen. Wir malten am Tisch auf Leinwänden oder Hartfaserplatten mit Acryl oder Fingerfarben. Meistens nahm ich nur einen Bewohner/in mit dorthin, damit ich die Möglichkeit hatte mich voll und ganz auf diese/n zu konzentrieren und nicht so viel Ablenkung geschah. Ich hatte den Eindruck, dass die Bewohner/innen diese individuelle Zuwendung sehr genossen haben.
An diesen Tagen trug ich meinen völlig beklecksten ehemals weißen Overall. Die Bewohner/innen sahen mich und gaben zum Ausdruck, dass sie genau wussten, dass ich in dem Moment einer anderen Aufgabe nachging als sonst.

Frau L.
Frau L. war noch recht jung, als sie mit 68 Jahren in unsere Einrichtung kam.
Sie freute sich immer sehr, wenn ich sie fragte ob sie nicht Lust habe zu malen.
Die ersten Bilder entstanden, als sie noch den Pinsel benutzen und auch die Farben selbst wählen. Es entstandenen bunte, gegenstandslose Bild von großer Strahlkraft. Viele Mit-Bewohner/innen aus ihrer Hausgemeinschaft lobten ihre Bilder, was sie sehr stolz machte. Dann waren einige Monate vergangen und wir malten wieder zusammen. Diesmal wusste sie den Pinsel nicht mehr zu benutzen. Sie saß lange Zeit mit dem Pinsel in der Hand da und schaffte es nicht, diesen in die Farbe zu tauchen. Ich spürte ihre zunehmende Verzweifelung. Ich nahm ihr den Pinsel aus der Hand und ersetzte ihn durch eine Rolle. Sie reagierte sofort und führte diese beherzt durch die Farbe. Was sie sah begeisterte sie total. Sie sagte bruchstückhaft etwas wie: „Meine Kinder-Mama dass kannst du nicht- und ich kann es - guck mal.“
Sie lachte immer wieder laut auf, so freute sie sich. Farbe über Farbe wurde mit dieser Rolle auf das Bild verteilt. Es ist wunderbar geworden. Nach dem trocknen haben wir es direkt in den Eingangsbereich des Hauses gehängt und sie ist so stolz und hat es auch ihren Kindern gezeigt, die natürlich sehr berührt waren.

Herr Sch. (Paul)
Paul sprach nicht. Es war schwer zu erkennen, was er dachte. Manchmal antwortete er auf Fragen, aber wir waren nicht sicher, ob er mit einem „Ja“ auch „Ja“ meinte. Paul manschte gerne mit den Fingern in seinem Essen. Paul konnte den Pinsel nicht benutzen, wusste nicht, was er damit sollte. Er malte mit Fingerfarben und es war, als tauche er in eine andere Welt ab. Lange konnte er so versunken verweilen, ganz abgetaucht beweget er seine Finger und ebenso bewegte sich seine Zungenspitze im Mundwinkel mit. So harmonisch sich dieser Mann beim malen zeigte, so wirken auch seine Bilder. Sie wirken wie Eindrücke aus der Natur und schmücken das Treppenhaus im Haus Waldfrieden. Als sie getrocknet waren habe ich sie ihm gezeigt. Ich hatte das Gefühl, dass er weiß, dass es seine sind- ein Stück von ihm. Er hielt sie ganz selbstbewusst in die Kamera als ich ihn damit fotografieren wollte.

Frau M. ( Barbara)
Barbara sagte immer nur „ja“. Sie war grade 62 geworden als sie zu uns kam, hatte lange Zeit ihres Lebens in der ehemaligen DDR im Straßenbau gearbeitet. Sie hatte ein hartes Leben hinter sich und sie war sehr unruhig und lief viel umher, auf der Suche nach etwas zum essen. Wenn sie mich in meinem Malkittel sah, veränderte sich ihr Gesichtsausdruck und sie verfolgte mich förmlich. Ihre Tochter sagte, dass sie aus einer Künstlerfamilie stamme. Sie wusste was sie wollte. Zeigte genau welche Farben es sein sollten und malte grobe Formen, Striche, Quadrate in einer sehr großen Geschwindigkeit. Ihre Bilder waren ganz schnell fertig und dann brauchte sie Nachschub. Sie freute sich darüber und war mit voller Konzentration dabei. Wir haben ihre Bilder ins Treppenhaus gehängt und ihre Tochter konnte sie gleich ihrer Mutter zuordnen, denn sie sagte:“Ich dachte mir gleich, dass die Bilder von meiner Mutter sein könnten“.

Frau B.( Gertrud)
Frau B. hatte ihr Leben lang gerne gehandarbeitet. Das Malen machte ihr große Freude. Sie malte immer rund und bunt. Mit voller Konzentration malte sie Kreise in Kreisen und setzt noch kleine Punkte herum. Ganz sorgfältig und genau. Ist das so gut? , ist das so richtig? , fragte sie immer wieder und korrigiert „unsaubere“ Striche mit den Fingern .Ich sagte, dass alles genau so richtig ist und sie schien beruhigt. Lächelte und machte weiter, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Konnte stundenlang Kringel malen.
Eines Tages wünschten ihre Kinder sich, dass Uroma ein Bild für ihre Urenkelin zur Kommunion malen sollte.
Ich erzählte ihr, dass das Bild das sie malen sollte für ihre Urenkelin sei. Und es war, als könne sie genau verstehen, was ich ihr erzählte.
„Was soll ich denn malen“, fragte sie mich. Ich antwortete:“ Wie wär`s mit ein paar Frühlingsblumen?“, und sie begann Blütenköpfe und Stiel zu malen in den passenden Farben und hat sich soooo gefreut!! Sie war selbst überzeugt von ihrem Tun.

Frau H. ( Mathilde)
Frau H. traute sich beim ersten Versuch nicht mit Pinsel und Farbe zu malen, geschweige denn mit Fingerfarben. Sie sagte immer „Ich kann das nicht .Ich kann das nicht!“ und war total aufgeregt, sodass ich sie wieder ins Haus zurückbrachte, weil ich das Gefühl hatte, dass sie überfordert sei. Einige Wochen später versuchte ich es wieder, mir war ganz komisch dabei. Was dann passierte erstaunte mich auch, denn diesmal war sie so voller Freude, dass sie lauthals lachte und mehrere Bewohner, als auch Mitarbeiter ankamen um zu gucken, was denn da los sei. Diesmal ließ sie sich auf das malen ein, wählte Farben und malte mit dem Pinsel drauf los. Sie rief immer: „Guck mal, guck mal“, und lachte und lachte. Es entstand ein so farbenfrohes Bild, indem ihre ganze Freude zum Ausdruck gekommen ist.

Herr N. ( Kalla)
Herr N. ist bereits verstorben, aber von der Erfahrung mit ihm beim malen, möchte ich gerne berichten. Ich schob ihn im Rollstuhl in den Garten. Verbal kommunizieren konnte er nicht mehr. Er gab einfach Laute von sich, denen wir aufgrund von Lautstärke und Tonfall entnehmen konnten, was er meinen könnte. Ich hatte das Gefühl er wollte malen. Er nahm den Pinsel in die Hand, wir wählten mehr oder weniger gemeinsam die Farben aus und er legt los. Dabei fing er lautstark an zu weinen, und weinte und malte und weinte und malte dabei und wollte gar nicht wieder aufhören. Ich putzte ihm die Augen und die Nase und er weinte und ich hatte den Eindruck, dass es ihm gut tat. Beim nächsten Mal hatte ich ein komisches Gefühl und stellte mich wieder auf ein weinendes Malerlebnis ein. Aber wider Erwarten war es genau umgekehrt, denn er lachte -lautstark Die Tränen liefen ebenso, nur aus einem anderen Grund. Das war für mich eine sehr interessante Erfahrung.

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